2006

2006

19. - 20. Januar 2006

Chancen durch Ostöffnung

Die FM-Gespräche an der Fachhochschule Kufstein Tirol sind ein etablierter, jährlich stattfindender Branchenkongress, initiiert vom Studiengang Facility Management & Immobilienwirtschaft der Fachhochschule Kufstein Tirol. Heuer tummelten sich nahezu 200 Teilnehmer am 19. und 20. Januar 2006 an der Hochschule.

Mit Spürnase für den Zeitgeist wurde heuer „Chancen durch Ostöffnung“ als Kongressthema gewählt. Hochkarätige Referenten beleuchteten Europa im Wandel der Ost-Erweiterung und der daraus resultierenden Chancen. Besonderer Reiz des Branchenevents waren die internationalen Gastreferenten aus Ungarn und Estland, die den Blick „von innen“ beisteuern konnten.

Österreich in der Pole Position

Große Beachtung fand am Eröffnungstag die Key Note von Dr. Reinhard Platzer. Der Generaldirektor und Vorstandsvorsitzende der Kommunalkredit Austria AG warnte vor einer europäischen Zwei-Klassengesellschaft: reicher Westen, armer Osten. Europa bemühe sich daher, die neuen Mitgliedsländer möglichst rasch an westeuropäische Standards heranzuführen - eine gewaltige Anstrengung, die ungeheure Investitionen erfordert: „110 Milliarden Euro für die Erfüllung der EU-Mindeststandards, 515 Milliarden Euro zur Erreichung des EU-Durchschnittsniveaus in den acht neuen Mitgliedsländern sowie den beiden Beitrittskandidaten Rumänien und Bulgarien“, schätzt Platzer.

Reinhard Platzer warnte vor einer europäischen Zwei-Klassengesellschaft

Österreich profitiere von dieser Entwicklung doppelt: Sicherheitspolitisch habe man sich von einem Randstaat zu einem Land inmitten der EU entwickelt. Wirtschaftlich gesehen könne es nun von dieser zentralen Lage aus als Schnittstelle des europäischen Wirtschaftsaustausches zwischen Ost und West fungieren. Platzer: „Österreichs Wirtschaft, besonders der Bankensektor, nützt diese Chance gut, wie die Statistiken der ausländischen Direktinvestitionen in diesen Ländern zeigen!“

Goldrausch mit Hindernissen

Ronald Barazon, Chefredakteur der Salzburger Nachrichten, ging der Frage nach, wie sich die Immobilienwirtschaft entwickelt. Barazon kritisierte die „Schlagobers-Wirtschaft“, die den bestehenden Systemen eine Art Kolonialismus aufgesetzt habe: niedrige Grundstückskosten, niedrige Steuern, niedrige Löhne – ein „Goldgräbermarkt“. Das habe allerdings ungesunde Langzeitwirkungen: „Anpassung braucht Wachstum, aber genau das verhindern die momentanen Aktivitäten, die sich eher als Bremse in den betroffenen Ländern auswirken!“ Weil eben beispielsweise niedrige Steuern die Investitionsfreudigkeit von Unternehmen eher dämpfen.

Barazons unmissverständliche Warnung: „Die Stunde der Wahrheit wird kommen. Die momentanen Vorteile schwinden bereits, die Attraktivität der Standorte im Osten lässt bereits nach!“

Aufmerksamkeit erregte auch Prof. Dr. Wolfgang Straßburg, Vizepräsident der RWE AG, mit seinem Vortrag. Er legte die Strategien und das Engagement des RWE-Konzerns in Mittel- und Osteuropa dar – eine seltene Gelegenheit, hinter die Kulissen zu blicken.

Fazit: Die Gastgeber (die Fachhochschule Kufstein Tirol in Kooperation mit der IFMC GmbH) sind rundum zufrieden mit dem Kongress, der ein gelungener Treffpunkt für die Wirtschaft und eine Möglichkeit für die Hochschule, die Kontakte zur Wirtschaft zu intensivieren, gewesen sei.